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v. Peter-David Göhr †

Pünktlich wurden wir in diesem Jahr zu Weihnachten und zum Jahreswechsel reichlich mit winterlichen Bedingungen beschert, so daß auch dieses Mal, wie so oft in den vergangenen Jahren, das zarte Pflänzchen Hoffnung auf eine „echte“ Schotten-Winterrallye aufkeimte. Nur, im Gegensatz zu vorangegangenen Jahren, diesmal erhielten wir auch das Wetter, welches wir uns seit längerem gewünscht hatten! Was immer dem Wettergott an Variationsmöglichkeiten für unsere Breiten so zur Verfügung steht, kam in den drei Tagen unserer Rallye zum Einsatz. Dichtes Schneetreiben wechselte mit Sonnenschein, heftigster Regen gefolgt von dichtem Nebel, Sturmböen auf den Höhenlagen des Vogelsberges und als krönender Abschluss ein Wintergewitter inklusive Hagelschlag. Zumindest was die Wetterlage anbelangte, war für jeden Geschmack etwas dabei.



Bereits bei der Anfahrt nach Schotten hatten die meisten Teams mit winterlichen Bedingungen zu kämpfen. Staus auf den Autobahnen führten teilweise zu abenteuerlichen Ausweichrouten auf den nicht minder verschneiten Nebenstraßen. Wer längere Anfahrtswege und noch dazu mit Hänger zu bewältigen hatte, so beispielsweise ein Teilnehmer mit sieben Stunden Anreise aus München, der war eigentlich schon „Sieger“ durch bloßes Erreichen des Hotels in Schotten. Dummerweise war noch dazu das Dach seines Vorkriegs-Austin auf dem Hänger leicht undicht geworden und somit der gesamte Innenraum verschneit. Gewiss besonders heimelig...

Leider war auch schon jetzt ein erster Schadensfall zu beklagen. Der Wagen von Familie Ruschmann rutschte mit seinem Austin 10-4 auf der steilen Hotelauffahrt in den Graben. Der hilfreich zur Stelle eilende Hotelbesitzer überschätzte dann wohl etwas die Kraft seines modernen Fahrzeuges und zog statt des Austin lediglich die Stoßstange desselbigen aus dem Graben. Wenigstens dieses Missgeschick konnte ambulant wieder gerichtet werden.

Angesichts des wenig einladenden Wetters war es für mich eine gänzlich neue Erfahrung, dieses mal mit einem geschlossenen Fahrzeug – meinem FIAT 2300 S Coupé - teilzunehmen. Entspannung war angesagt, die langen "Wollenen“ konnten getrost zu Hause bleiben. Keine durchweichten Dokumente, kein durch Fortfliegen bedrohtes Bordbuch mußte ständig fixiert werden, der permanente Wechsel zwischen klammfeuchten Handschuhen und Schreibstift entfiel. Eine fast gemütliche Atmosphäre kommt da während der Rallye auf, sogar für entspannte Plaudereien ist während den Verbindungsetappen noch genügend Zeit. Denn im offenen Fahrzeug ist eine Verständigung meistens auf das Notwendigste reduziert.



Gegen 18:00 Uhr wurden als erste offizielle Handlung des Tages die Fahrzeuge durch den technischen Referenten Schramm abgenommen. Dieser „leicht“ gezeichnet durch einen kapitalen Unfall mit einem Mercedes auf der Histo Monte. Mit dem Ergebnis eines echten Totalschadens am Fahrzeug und angeschlagener Wirbelsäule. Davon liest man in der Markt und Klassik typischerweise nichts, wahrscheinlich paßt das nicht so recht ins saubere Konzept der Oldtimerveranstaltungen.



Nach einer letzten Stärkung und der anschließenden Fahrerbesprechung unter der Leitung des Sportreferent der ASC Landesgruppe Hessen, konnte die Nachtetappe in Angriff genommen werden. Da die überwiegende Anzahl der teilnehmenden Teams als „Wiederholungstäter“ mit den Eigenheiten der Winterrallye-Schotten vertraut war, ergaben sich hier weiter keine Probleme. Lediglich war die Strecke für die PS-schwächeren Fahrzeuge in der Nacht gekürzt worden. Selbst an eine Eichstrecke für vor- und nacheilende Tachos hatte der Sportreferent gedacht. Ob es was genutzt hat, bleibt dabei fraglich.



Pünktlich 19:45 Uhr erfolgte der Start des Teams mit der Startnummer 1, auf einem Alpha Romeo RL SS von 1925, welcher leider im Verlauf der Rallye mit einem Pleuelschaden liegenblieb. Dieser und der Ausfall eines Tempo Hanseat (besser bekannt als 3-Rad Pritsche), ebenfalls bedingt durch einen Motorschaden, sollten, trotz der widrigen Bedingungen, die einzigen Ausfälle bleiben. Der einsetzende starke Schneeregen, streckenweise gefolgt von einer dichten nächtlichen „Nebelsuppe“ erleichterten nicht gerade die Orientierung. Eine Distanz von ca. 50 km war in einem Schnitt von 35 km/h und für die etwas schwächeren Fahrzeuge mit 29 km/h auf verkürzter Strecke zu bewältigen. Dabei waren die Start- und Endpunkte der eigentlichen Meßstrecke von ca. 20 km unbekannt. Somit war die gesamte Wegstrecke im vorgegebenen Schnitt zu befahren. Mit Schnitttabelle und Stopuhr eine durchaus zu erfüllende Aufgabe. Der spätere Sieger der Nachtetappe fuhr diese auf seinem DKW F2 (1932) auf 9 Sekunden genau. Böse Zunge behaupteten, es wäre sowieso zufällig seine maximal mögliche Geschwindigkeit gewesen! Wir und viele anderen auch schafften die Durchschnittsgeschwindigkeit nur mit erheblichen Abweichungen. Der Einfachheit halber schieben wir es einfach mal aufs Wetter! Ein mögliches Versagen des Beifahrers wollen wir dabei nicht näher betrachten...

Manche fuhren offenbar so genau die geforderten 35 km/h, dass unsere grünen „Freunde und Helfer“ einem Austin Healey einige Zeit folgten, um dann mit Blaulichteinsatz nachzufragen, „ob denn ein Problem vorliege?“. Wahrscheinlich gingen Sie davon aus, das der Besitzer des derartig unauffälligen Autos gerade von einem größeren Bankraub kommt und auf der Flucht befindlich ist. Da dem nicht so war, konnten Sie den Healey nur unverrichteter Dinge ziehen lassen. Sogar einige andere der verirrten Schäfchen der Rallye-Herde wurden von den aufmerksamen Ordnungshütern von vermeintlichen falschen Wegen wieder zurück auf den „richtigen“ Weg geschickt. Man hatte ja seine Karte der genehmigten Route dabei, da müssen die ja wohl dann auch fahren. Abweichler werden hier nicht geduldet. Auf jeden Fall ein deutlicher Hinweis für alle Ausrichter von „schwarzen“ Orientierungsfahrten.

Das obligatorische „Lagerfeuer“ am Ziel der Nachtetappe, einige Appelkorn und eine Würstchensuppe, brachte die ausgekühlten Teams wieder auf Normaltemperatur. Von vielen der Teilnehmer wird der Lagerfeuer-Event hinter dem Hotel schon seit Jahren als inoffizielles Highlight der Veranstaltung rund um Schotten gekürt. Leider fiel dieser Höhepunkt im Sinne des Wortes ins Wasser. Der starke Regen vertrieb ausnahmslos alle in die gemütlichen Räumlichkeiten des Restaurants. Wer wollte, konnte seinen Teller ökologisch korrekt vom Regenguß spülen lassen.


Samstag zu früher Stunde, Restart. Wieder ging es in Minutenabständen auf die Strecke. Das Wetter meinte es mit einem pünktlich einsetzenden Schneesturm wieder „sehr, sehr“ gut mit uns. Bereits wenige Kilometer nach dem Start begannen die ersten Probleme. Lediglich die Fahrzeuge mit Winterbereifung waren hier etwas im Vorteil, aber das waren wohl die wenigsten. Optimismus und olympischer Gedanke wogen hier die fehlende Winterausrüstung bei weitem auf.

Gefälle mit bis zu 15% führten zum Schritttempo und einer Fahrweise möglichst ohne Bremseneinsatz. Die darauf folgenden ebenso starken Steigungen führten zur Aufgabe von mehreren der PS-schwachen Fahrzeuge der Austin-Fraktion. Diese wählten aus Gründen der Sicherheit den direkten Weg zur Mittagspause nach Lauterbach. Besonders trickreich bergauf war Dr. Scheffler, seines Zeichens Präsident der ASC Landesgruppe Hessen, mit seinem schweren Lagonda 16/80. Im Tal steckengeblieben wartete er, bis die Straße von mehreren Fahrzeugen gespurt war und schaffte dann mit einigen Mühen den „Aufstieg“.

Selbstredend wandten hier die Teilnehmer einige ihrer ganz spezifischen Tricks an. So auch ein Team aus Rosenheim in einem 220 Seb/C, welche den üppigen Kofferraum des Mercedes mit Reifen und sonstigem Material aus der Garage des Hotels beschwert hatten. Diese Maßnahme führte einerseits zwar zu mehr Grip, aber andererseits durch langsamste Fahrweise zur Blockade der nachfolgenden Fahrzeuge. Einmal mußten wir kilometerlang hinter der Rennschnecke mit gefülltem Kofferraum hinterherschleichen.

Ein Chysler-Berlin Six wiederum bewältigte derartige Strecken bergauf nur „Querstehend“, immer in der Hoffung, das just gerade kein Gegenverkehr kommt. Am Ende des Tages war die FIVA Klasse C  bis auf genau dieses eine Fahrzeug reduziert. Aus sportlichen Gründen ließ sich das Team in die nächsthöhere Klasse D eingliedern und erzielte hier immerhin noch den 3. Platz.

Unter reger Anteilnahme der Bevölkerung fand die offiziellen Begrüßung des Rallyetrosses auf dem historischen Markplatz der Stadt Lauterbauch durch den Bürgermeister statt. Die anschließende Mittagspause fand wiederum in einem Lokal in der Nähe von Lauterbach statt.

Nach der Mittagsrast ging es wieder zurück auf die Strecke. Wir ließen den FIAT nach dem Essen bei gediegener italienischer Musik (war bei Auslieferung mit eingebaut worden!) so richtig fliegen. Da die Straßen momentan frei waren, wollten wir etwas Zeit gewinnen. Mit uns flogen noch 2 der Lagonda vor dem Feld her. Ein ständig hinter uns mit Lichthupe herjagender Normal-PKW wurde von uns schnöde ignoriert. „Was soll das denn, wo wir gerade so schön am Heizen sind?“ Dummerweise war das der Stempler der ersten DK nach der Mittagspause. Einen Stempel, den wir und die Lagondas natürlich nicht ins Bordbord gedrückt bekamen.



Der Sportreferent hatte in diesem Jahr „quasi“ auf die bei den Teilnehmern so beliebte Fischgräte innerhalb eines Ortes verzichtet. Allerdings nicht vollständig, die Fischgräte war auf einem Stadtplan nach Vorgabe abzufahren. Die auf dem Plan eingezeichneten DK’s gingen als DK in die Wertung ein. Diese ungewohnte Aufgabe war nur mit Konzentration und einigem Zeitaufwand zu bewältigen. Sogar hier schafften es Einzelne, Negativpunkte zu fangen.

Ein weiteres Schmankerl war die kurz vor dem Ziel stattfindende Zeitmessung. Hier konnten nochmals Punkte gutgemacht werden. Auf ca. 100 m war ein Slalomparcour, einmal ohne und einmal mit Pylonen, exakt in der gleichen Zeit abzufahren. Hier konnten die Teilnehmer noch einmal ihr Gefühl für das Fahrzeug in Verbindung mit genauer Stoppuhrenarbeit beweisen. Gemessen wurde auf 100-stel. Nur ein Team schaffte es hier auf Null zu fahren und die Vollgasfraktion kam hier endlich mal auf ihre Kosten. Der Fahrer einer AC-Cobra von 1964 tat sich hier besonders hervor. Die Schlappen, bis zu diesem Zeitpunkt im Schnee recht hinderlich, konnten endlich ihren vollen Beitrag zur Beschleunigung liefern! Am nächsten Tag bei der Abreise, es schneite wieder, war sein Fahrstil deutlich (!) verhaltener.

Das Eintreffen der Fahrzeuge am späten Nachmittag im Hotel wurde noch einmal durch ein heftiges Wintergewitter mit Hagel gewürzt. Wir schafften es gerade noch einigermaßen ins Trockene zu kommen. Die vorab herausgefahrene Zeit machte sich jetzt bezahlt. Den durch unsere forcierte Fahrweise verlorengegangenen Stempel zogen wir natürlich nachträglich noch ein. Ist schließlich nicht unser Problem, wenn nach einem Restart DK’s nicht besetzt waren.

Der Austausch der Erlebnisse des Tages erfolgte noch vor dem ersten wärmenden Kaffee direkt an den Autos. Ohne Zweifel eine gelungen Rallye, die mit Sicherheit allen Beteiligten viel Spaß gemacht hatte. Das Wetter selbst wurde mit „endlich mal wieder eine Winterrallye“ bis hin zur fatalistischen Aussage „wir wollten es ja nicht anders“ bedacht.

Abschließender Höhepunkt war die Abendveranstaltung mit der Siegerehrung. Der Gesamtsieg fiel in diesem Jahr an ein Team  aus der ASC- Landesgruppe Siegen, auf einem BMW 501 von 1957. Platz 2 wurde an ein Team mit ihrem Daimler-Benz 220 1962 vergeben und der dritte Platz ging an den DKW F2 von 1932, welcher auch schon die Nachtfahrt in seiner Klasse gewonnen hatte. Der Abend und damit die Veranstaltung ging im allgemeinen Trubel und beim Austausch automobiler und in diesem Jahr winterlicher Geschichten dem Ende entgegen.

Eine super Veranstaltung mit echten fahrerischen Herausforderungen. Seit langem war es mal wieder eine Winterrallye im Sinne von Schnee und Eis. Selbst ein ständiger Teilnehmer der „Neige et Glace“ meinte dazu, er hätte dieses Jahr dort nicht fahren brauchen, den Winter hatte er in Schotten mindestens genauso gut. Spaß hat es allen Beteiligten mit Sicherheit gemacht. Bis zum nächsten Jahr, mit einer hoffentlich ebensolchen weißen Umgebung wie 2002.