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von Rainer Schön

Bei unserem Jahrestreffen 2011 stach diesmal Hans-Dieter mit seinem Indianer-Coupé besonders ins Auge – oder besser in die Nase. Sein Motor gab nämlich bereits im Mai kräftige Rauchzeichen von sich. Was war da los??? Zur Ehrenrettung sei zunächst gesagt: es war gar nicht der Originalmotor, der da vor sich hin qualmte. Der lag nämlich erst bei Gerd auf der Werkbank und dann bei einem Motorenbauer, der allerdings das gute Stück nur ein paar Wochen in der Werkstatt einstauben ließ, ohne was daran zu tun. Eigentlich sollte Gerd nur den Original-Motor und das Getriebe (Simmeringe) abdichten, aber wenn er schon mal draußen ist....  Also Zylinderkopf runter: zwei Zylinder hatten kräftige Riefen, die auf gebrochene Kolbenringe schließen ließen. Abhilfe sollten bei 5 Zylindern neue Kolbenringe schaffen, der sechste schien so stark beschädigt, dass hier ein (gebrauchter) Übermaßkolben zum Einsatz kommen sollte. Der Profi-Motorenbauer sollte das alles machen, damit sich HD keinen Finger bricht.

In der Zwischenzeit sollte der schöne Blaue aber trotzdem fahren, und da HD neulich mal einen „Rennwagen“ mitsamt Motor gekauft hatte und wir den tatsächlich auch gemeinsam zum gar nicht mal so schlechten Laufen gebracht hatten, bat er Gerd, den vorübergehend einzubauen.





















Mächtige Kotflügelverbreiterungen und ein rieseiger Heckspoiler ("Griff zum Wegwerfen") machen aus unserem eleganten Coupé einen "Rennwagen"

Gemeinsam holten wir den Wagen dann im Westerwald ab und fuhren zu HD`s Lieblingsitaliener um uns für die schwere Arbeit des Abholen zu entschädigen. Leider hatten wir uns draußen hingesetzt, wo wir den schönen Blauen gut im Blick hatten und so blieb auch die DINA3-große Öllache nicht unentdeckt (bereits bevor das Essen kam). Nun hatte HD zwei Ölsardinen, aber das FIAT-Treffen im Mai war doch angesichts der Tropfmenge stark gefährdet. Also wieder zurück zu Gerd, der hinten einen neuen Simmerring einbaute und ein Pfund Dichtmasse verbaute, leidet ohne durchschlagenden Erfolg. Also gebar HD die Idee einer redundanten Ölwanne, einer Wanne unter der Wanne. Da tropfte nun das Öl rein und zumindest wenn der Wagen stand, blieb der Boden sauber. Das Jahrestreffen war gerettet.

Wir fuhren ja dann im Konvoi von NRW ins Elsaß, wobei die Fahrt kurz hinter Koblenz bereits stockte, als der zunächst nur leicht bläuende Blaue bei der Abfahrt ins Moseltal auf der A61 urplötzlich eine solche Ölwolke ausstieß (ich fuhr zum Glück voraus), dass ein Massenunfall wegen Nebels zu befürchten war. Wir mit unseren 5 Autos also runter von der Bahn, wobei verwunderte, dass HD´s Motor anscheinend wieder problemlos lief – ein Wunder! Nix gefunden, also: „Weiter, Männer!“ (und Frauen). Hinterher haben wir uns das Phänomen, das unterwegs noch ein paarmal in leichterer Form auftrat, dann erklären können: Der gute Rennmotor muss ein ernsthaftes Problem mit den Kolbenringen haben, Überdruck im Kurbelgehäuse, das ja bei der letzten Serie in den Luftfilter entlüftet, dort sammelt sich das Öl und irgendwann ist so viel im Filtergehäuse, dass es vom Vergaser angesaugt wird (hier beim Bergabfahren ins Moseltal) und lustig abfackelt. Jedenfalls hat der Motor die 1.600km geschafft, und solange niemand einen Blick zurück warf, war die Luft rein. HD musste dann noch ein paar weitere Touren  mit diesem Motor machen, zum Beispiel zu Runwalt in die Leichlinger Gegend, was fast zu entweder einem Gattenmord oder wenigstens einer Scheidung geführt hatte.

Denn zwischenzeitlich hatte HD das Luftfiltergehäuse zu Rudi geschickt, damit er dieses auf Hochglanz polierte. Also fuhr er nach Rücksprache mit mir ohne Luftfilter („wir sind ja nicht in der Sahara, da kannste ja mal ohne Filter fahren. Und der Sound ist auch besser...“). Leider hatten wir alle beide nicht bedacht, dass ja jetzt der Ölnebel frei im Motorraum versprüht wurde, was das Auto von vorne bis hinten in Nebel einhüllte. Und leider auch Marion. Inzwischen wird sie sicher wieder besser Luft bekommen, aber die Ölschicht selbst im Innenraum ist eine Winteraufgabe für HD. Aber eigentlich wollte ich ja die Geschichte von der Motorüberholung des Originalmotors erzählen. Der lag inzwischen nicht mehr beim Profi-Motorenbauer, da der sowieso wohl keine Lust hatte, was dran zu machen. Also hat Gerd ihn dort wieder abgeholt und HD bei Gerd und dann lag er bei mir, der Motor. Und zwar saumäßig zugedreckt mit Staub, Sand und: Metallspänen. Er war ja teilzerlegt (Kopf ab) und der Motorenbauer hat sich nicht mal die Mühe gemacht, das Teil in seiner Werkstatt abzudecken. Na ja, nach meinem Sommerurlaub hatte ich genug Kraft gesammelt, an die weitere Zerlegung zu gehen und natürlich musste da auch HD ran. Außerdem natürlich noch Dieter, denn der wohnt ja bei mir nebenan. Also zerlegten wir erst mal ein paar ordentlich Flaschen italienischen Rotwein, um uns anschließend den dicken und dünnen Schrauben zu widmen. Sicher hat jeder schon mal einen Fiat-6-Zylinder selbst überholt, so dass ich mich auf das wesentliche beschränken kann: alles zerlegen, reinigen, vermessen, ölen und wieder zusammenbauen. Oder nicht? Na gut, dann etwas ausführlicher: 

Kurbelwelle bekam neue gebrauchte Lager, die alten waren teilweise schon bis auf die Kupferschicht runter. Pleuellager haben wir erneuert. Damit waren aber die Lagerspiele trotzdem am obersten Rand der Verschleißgrenze, aber da der Öldruck vorher in Ordnung war, wird er jetzt mit wenigstens neuen Lagerschalen sicher nicht schlechter sein. Die Nockenwelle war glücklicherweise noch sehr gut, die Nocken hat fast den originalen Hub und kaum Verschleißspuren, auch die NW-Lager haben wir belassen. Aber die Kolben und Zylinder: Wie erwartet fielen uns bei den beiden Zylindern mit den Riefen die Kolbenringe in Bruchstücken entgegen.


Nur mit den behandschuhten Fingern, bewaffnet nur mit einem Streifen gelber Plastikfolie, demontiert Hans-Dieter hier in vorbildlicher Haltung die alten Kolbenringe.

HD hatte einen Satz neue Kolbenringe (Passformringe) im Standard-Maß besorgt, die Kolben waren noch gut, also wollten wir die eigentlich weiterverwenden. Nur was machen wir mit den beiden Zylindern mit den Riefen? Der eine schien noch durch Honen zu retten, aber beim anderen war nix zu machen. Also nach Beratschlagung mit meinem Motorenbauer: 5 Zylinder nur honen, einen ausbüchsen, bohren und honen.

Hat so perfekt funktioniert, dass man hinterher rätseln konnte, in welchem Zylinder die Büchse sitzt. Natürlich wurde der Block auch geplant. Der Zylinderkopf: da hatte ich mir schon Monate vorher was besonderes ausgetüftelt: ich wollte einen Motor, der ordentliche Abdichtungen an den Ventilführungen hat. Meine Idee war, neue Ventilführungen auf meiner Drehbank von oben so abzudrehen, dass handelsübliche Ventil-Abdichtkappen draufpassen. Das hatte ich dann auch ausprobiert, klappte gut, nur hatte ich die überarbeiteten Führungen noch nicht wieder eingepresst.

Da die Ventilführungen an HD`s Motor noch kein nennenswertes Spiel aufwiesen, fand ich es zu schade, die auszupressen und durch neue überarbeitete zu ersetzen. Also habe ich mit meinem Hunger-Ventilsitz-Handfräsgerät so lange rumprobiert, bis ich die Ventilführungen bei eingebautem Zustand bearbeiten konnte, siehe Bilder.


Beim Einbau der Ventile war dann darauf zu achten, dass die obere Federplatte nicht auf das Ventilkäppchen stößt, sondern darüber passt.

Beim Probeeinbau der Ventilfedern stellte ich dann fest, dass ich die Ventilführungen noch etwas kürzen musste, um den Hub des Ventils zu gewährleisten. AM Ende hat sich die Mühe hoffentlich gelohnt, HD ist jetzt das Versuchskaninchen für den ersten Fiat 2300 S Motor mit richtigen Ventilschaftdichtungen weltweit!


Zwischenzeitlich hat Rudi in Rekordzeit die wichtigsten Teile poliert, denn das Auge isst ja auch mit: Ventildeckel, Luftfilter, Wasserpumpe, Abdeckblech Lichtmaschine usw.

Beim Zusammenbau haben wir die Promille dann etwas reduziert, damit wir keine Teile im Ölsumpf liegen lassen. Aber am Ende haben sich Dieter und Hans-Dieter doch noch was gegönnt, ich musste ja fotografieren.


Und dann kam der spannende Moment: der Motor war auf meinem selbstgebastelten Prüfstand montiert und sollte ausprobiert werden. HD war beim ersten Huster nicht dabei, hat uns aber Freigabe erteilt, es auszuprobieren. Zum Glück hat er da nicht mitgekriegt, dass ich natürlich den Zündverteiler wieder um 180° verdreht eingebaut hatte und so tat sich zunächst nix.

Aber dann: Ohne Kühlwasser, ohne Auspuff, aber mit Öl donnerte das Ding tatsächlich los. Also konnte HD kommen und wir haben den Motor dann richtig laufen lassen, eingestellt und  -  natürlich ein Gläschen Schampus (is gelogen, war Sekt) darauf getrunken.

Dann ab in den Vito, Auto auf dem Hänger hinten dran gehängt und wieder zu Gerd, der den Einbau in Rekordzeit bewältigte (heute gebracht, morgen gemacht). Und bis jetzt scheint fast alles rund zu laufen.....

Und zum Schluss wollten wir natürlich wissen, wie der Schrottmotor aus dem „Rennwagen“ von innen aussah, hier ist das Ergebnis: oberster Kolbenring dreifach gebrochen, zweiter Ring zig-fach zerbröselt, die Bruchstücke sind zu kleinen Stahlkügelchen rund-geschmolzen, Kolben geschmolzen, na seht selbst.

Dass die obersten Kompressionsringe von vier weiteren Zylindern nur 1 mm hoch waren (falsche Ringe??) rundete das Bild nur noch ab. Und dennoch: er lief und lief und lief....am Ende aber kaum noch. Offensichtlich hatte der Vorbesitzer den Motor mit Sonnenblumenöl gefahren, denn im Ölsumpf (den Begriff hat die Ölwanne wirklich verdient!!) fand sich eine Handvoll Sonnenblumenkerne, auf dem Bild wahrscheinlich nur schlecht zu erkennen.